
Buchauszug:
E.O.F.T. Abenteurer des 21. Jahrhunderts
Christoph Rehage
9. November 2007, Peking
„Vor sieben Uhr werde ich das Haus verlassen, solange die Sonne noch nicht aufgegangen ist und die Stadt noch schläft“, hatte ich gestern Abend feierlich verkündet, in dem Gefühl, dass ein Aufbruch im Morgengrauen die einzig passende Weise wäre, um Abschied von meinem Leben in Peking zu nehmen. Dann aber war ich mit meinem Nachbarn Xiaohei und ein paar anderen Freunden bis in die frühen Morgenstunden im Feuertopfrestaurant geblieben, weil niemand so richtig Lust gehabt hatte, nach Hause zu gehen. Essen türmte sich auf unserem Tisch, und überall standen Bier- und Colafl aschen. „Wenn du nicht schnell genug läufst, dann komm ich mit dem Auto vorbei und treib dich ein bisschen an!“, sagte Xiaohei irgendwann und hob lachend den Zeigefi nger: „Pass auf dich auf, ja Alter?“
Es ist kurz nach elf, die anderen schlafen wahrscheinlich noch ihren Rausch aus, und ich stehe in meiner Unterhose am Fenster und fühle mich müde und aufgekratzt zugleich. Heute soll es endlich losgehen, nach so vielen Monaten des Wartens und Planens. Ich beschließe, den Tag wie jeden anderen mit einer Dusche zu beginnen. Im Wohnzimmer liegen meine Sachen auf dem Fußboden verteilt: der große Rucksack, die Packtaschen mit der Kleidung, die beiden Schlafsäcke, das Zelt, die Isomatte, der kleine Rucksack mit dem Laptop, die beiden Kamerataschen, die Wanderstöcke und der Beutel mit Batterien, Medikamenten und dem restlichen Kleinkram. Ich hänge mein nasses Handtuch an den Haken und stelle mich auf die Waage, die ich mir vor ein paar Tagen gekauft habe. Der Zeiger schlägt weit aus, schwingt wieder zurück und pendelt sich bei rund Hundert ein. Habe ich es doch noch geschafft? Bin ich zum wandelnden Doppelzentner geworden? ....
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