Beni Böhm & Basti Haag
Informationen
| Name: | Beni Böhm & Basti Haag |
|---|---|
| Sport: | Speedbergsteigen mit Skiabfahrt |
"Es lohnt sich immer auf den Berg zu gehen!"
(Basti Haag)
Die beiden Münchner Extrembergsteiger Beni Böhm und Basti Haag setzen alles daran, ihre Grenzen immer wieder aufs Neue auszuloten. Im Herbst 2007 reisten sie zusammen mit dem französischen Nachwuchs-Alpinisten Nicolas Bonnet nach Nepal, um den 8.163 Meter hohen Manaslu in ihrer bewährten Disziplin, dem „Speedbergsteigen“, zu bewältigen. Das bedeutet: möglichst schnell hoch und auch auch möglichst schnell wieder runter. Beni und Basti wollen in weniger als 24 Stunden wieder vom Gipfel zurück sein, deshalb haben sie eine Abfahrt mit Skiern geplant. Obwohl eine Skiabfahrt am Achttausender viele Risiken in sich birgt, fühlen sie sich mit Skiern im Gepäck wesentlich sicherer als ohne.
Woher kommt Eure Begeisterung für’s Skibergsteigen?
Basti: Ich bin eigentlich auf Skiern groß geworden. Meine Eltern sind beide Skilehrer und haben mir den Sport schon sehr früh nahe gebracht. Skifahren war also schon immer eine große Leidenschaft von mir.
Beni: In meiner Familie gibt es keinen besonderen Bergsporthintergrund. Ich hatte bloß als Kind immer zuviel Energie, sodass meine Eltern überlegt haben, wo ich die am besten abreagieren könnte. Deshalb haben sie mich dann in einen Skilanglaufverein gesteckt. Das hat mir sofort gefallen. Vorher war ich noch nie in den Bergen gewesen.
Wie lange kennt ihr Euch schon?
Basti: Wir kennen uns schon seit der fünften Klasse, waren damals aber nicht sehr eng befreundet. Der Kontakt wurde erst nach der Schulzeit intensiver. Da sind wir zusammen immer öfter Skitouren gegangen, haben uns gegenseitig gepusht und waren dann irgendwann auf einem sehr hohen Level. Jetzt können wir Touren in zehn Stunden gehen für die andere vier Tage brauchen. Den Großglockner und den Großvenediger haben wir an einem Tag gemacht.
Ihr trainiert hauptsächlichen in den bayerischen Voralpen. Wie kann man sich hier auf einen Achttausender vorbereiten?
Beni: In den Alpen kann man vor allem die Ausdauer trainieren. Dann gehen wir ganz früh morgens raus und sitzen schon beim ersten Sonnenstrahl auf dem Rad oder machen einen Berglauf. An manchen Tagen gehen wir viermal hintereinander denselben Berg hoch. Das ist schon wahnsinnig stupide! Aber an einem Achttausender ist das genauso. Da sieht auch alles gleich aus. Alles um dich herum ist weiß und jeder Schritt kostet dich Überwindung. Über Stunden hinweg macht man nichts anderes als stupides Vorangehen. Dafür muss man bereit sein.
Basti: Zum Trainieren sind wir auch viel in Österreich unterwegs. Nicht so oft in der Schweiz, da ist alles so teuer. Aber nach Chamonix fahren wir auch öfters. Ein spezielles Höhentraining haben wir im Vorfeld der Manaslu-Expedition im Münchner Höhenzentrum absolviert. Dort können die Klimaverhältnisse am Achttausender simuliert werden. Wir konnten uns so quasi schon etwas akklimatisieren. Aber eigentlich trainieren wir beide lieber draußen!
Haben Euch Eure früheren Projekte auch bei der Vorbereitung auf den Manaslu geholfen?
Basti: Wir sind schon seit 5 Jahren gemeinsam in den Bergen unterwegs. 2004 waren wir zum Beispiel in Peru und haben mehrere Sechstausender bestiegen. Damals haben wir so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann: sind zu schnell gegangen, haben uns nicht ordentlich akklimatisiert und uns auch keine Pausen gegönnt. Am Ende waren wir alle krank.
Beni: Wir haben einen sehr schmerzhaften Lernprozess durchmachen müssen. Wenn man jünger ist, dann ist auch die Ungeduld viel größer. Wir haben viele Fehler gemacht. An einem Sechstausender ist das noch nicht so schlimm, aber an einem Achttausender darf das einfach nicht passieren.
Ihr seid meistens zu zweit unterwegs. Am Manaslu war Nicolas Bonnet mit dabei. Wie kam es dazu?
Beni: Ich habe Nicolas gefragt, ob er zum Manaslu mitkommen möchte. Wir kennen uns schon länger. Er ist Skibergsteiger in der französischen Nationalmannschaft. Ich war mal in der deutschen Nationalmannschaft. Zuerst dachte ich, dass er kein Interesse hat, weil Skibergsteiger es eigentlich vermeiden in so große Höhen zu gehen. Das nimmt unheimlich viel von der Substanz weg, die man für die Wettkampfsaison braucht. Aber er hatte dieses Funkeln in den Augen... und hat dann auch bald zugesagt.
Basti: Natürlich ist er jünger als wir beide und war auch noch nie in auf einem Achttausender. Aber sportlich ist er absolut in Topform, ein extrem guter Bergsteiger und Bergführer. Er ist wie eine junge Gams und springt von einem Stein zum anderen. Dagegen komme ich mir vor wie ein Ackergaul. Aber am wichtigsten ist, dass wir alle drei die gleiche Motivation haben.
Was hat euch am Manaslu so fasziniert?
Basti: Wir haben lange überlegt, welchen Berg wir uns nach dem Gasherbrum II vornehmen sollen. Der Dhaulagiri hätte mich wegen seiner Schwierigkeit gereizt. Der Nanga Parbat war schon immer ein Traum von mir. Auch der Cho Oyo war im Gespräch. Aber das sind alles Berge, an denen wahnsinnig viel Bergtourismus herrscht. Am Manaslu ist nicht so viel los. Da muss man sich alleine mit dem Berg auseinandersetzten.
Beni: Die Berge sind ja das letzte Rückzugsgebiet, das wir Menschen noch haben. Ich genieße es einfach dort hinzukommen. Man kann komplett abschalten und ist auf sich selbst gestellt – ob man will oder nicht. Zum Manaslu kommt kein Flugzeug oder Hubschrauber. Da funktioniert kein Handy. Das ist noch ein echtes Abenteuer.
Basti: Jede Nation hat einen Berg, zu dem sie sich besonders hingezogen fühlt. Der Nanga Parbat wird oft als Schicksalsberg der Deutschen bezeichnet und die Engländer haben ein spezielles Verhältnis zum Mount Everest. Der Manaslu ist der Berg der Japaner. Die haben vier Jahre lang gekämpft, bis sie 1956 endlich am Gipfel standen. Aber was mich am meisten an diesem Berg fasziniert, das sind die beiden Jungs, die in den 80er Jahren das erste Mal den Manaslu mit Skiern abgefahren sind. Damals gab es noch nicht so gutes Equipment wie heute. Die haben da ihre schweren 1,80-Latten hoch geschleppt! Mit denen würde ich wirklich gerne mal reden.
Beni: Am Manaslu gibt es keine besonders steilen Passagen. Deshalb eignet sich der Berg gut für eine Skiabfahrt. Das heißt nicht, dass es kein Risiko ist, von dort abzufahren. Es gab bereits eine ganze Reihe erfolgloser Expeditionen. Auch viele gute Bergsteiger sind am Manaslu gestorben. Da hat man schon großen Respekt. Aber ich versuche, das nicht ganz so nah an mich heranzulassen.
Wie geht ihr mit dem Risiko um?
Beni: Wir versuchen eben das Risiko durch unseren Stil zu verringern. Eine Speedbegehung hat den Vorteil, dass man ein wesentlich kleineres Zeitfenster braucht, um den Gipfel zu erreichen. Der Manaslu ist ein sehr gefährlicher Berg. Da gibt es furchtbare Gewitter, Steinschläge und Eisschläge, alles was man sich vorstellen kann. Wir halten uns aber mit der Besteigung nicht drei oder vier Tage auf, sondern nur 24 Stunden. Das minimiert schon mal das Risiko.
Basti: Wir wollen schnell hoch und auch schnell wieder runter. Vom Gipfel bis zum Basecamp schafft man es auf Skiern in zwei Stunden, wenn wir richtig Gas geben. Doch wir müssen uns natürlich akklimatisieren und die Speedbegehung vorbereiten. Wir werden deshalb auch Hochlager einrichten und mehrmals auf- und wieder absteigen, um unserer Körper an die Höhe zu gewöhnen. Aber wir werden dort nicht schlafen. Ich hatte in diesen Hochlagern immer Albträume, das waren die schlimmsten Nächte meines Lebens. Bei der Speedbegehung rennen wir da einfach vorbei.
Beni: Speedbegehungen sind nicht jedermanns Sache. Es gibt auch Nachteile. Wir haben zum Beispiel keine Daunenausrüstung und nur wenig Proviant dabei. Wir haben kein Lager in das wir uns zurückziehen können, wenn es hart auf hart kommt. Ich fühle mich bei einer Speedbegehung sicherer. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Vor dem Berg habt Ihr großen Respekt. Was erwartet Euch im Basecamp?
Basti: Wir haben uns lange auf diese Expedition vorbereitet und viel Zeit und Geld investiert. Es ist schlimm, wenn man dann zwei oder drei Wochen im Basislager festsitzt, weil das Wetter zu schlecht ist um aufzusteigen. Am Gasherbrum II mussten wir eine Woche lang auf gutes Wetter warten. Das hat schon gewaltig an den Nerven gezerrt. Es ist nicht so, dass wir dann miteinander Stress haben. Aber man sitzt halt die ganze Zeit im Zelt und kommt mit sich selbst nicht klar.
Beni: Wir sind das eben nicht gewohnt. Normalerweise sind wir immer in Bewegung. Ich mache jeden Tag Sport, gehe vor der Arbeit laufen. Bei mir gibt es entweder Schlafen oder Vollgas – dazwischen ist nichts. Und dann bist du da in dieser Wildnis in deinem Zelt eingesperrt – das ist so langweilig, da drehst du einfach durch.
Basti: Wir sind eine sehr kleine Expedition: nur Beni, Nicolas und ich. Dazu kommen dann noch der Hubert, unser Kameramann, ein Koch und ein Licence Officer. Der ist vom nepalesischen Militär und passt auf, dass wir nicht nirgendwo hingehen, wo wir nicht hingehen sollen – zum Beispiel auf einen Berg, für den wir keine Erlaubnis haben. Aber alles im allem ist das kleine Team schon angenehm. Das haben wir uns auch so gewünscht.
Beni: Unser Dreierteam ist schon eine gute Konstellation. Man vertraut sich gegenseitig, kann aber auch konstruktive Mehrheitsentscheidungen treffen. Man weiß vorher nie, was am Berg passiert. Wenn es zu gefährlich wird, muss man auch die mentale Stärke haben „Nein“ zu sagen. So ein Berg gehört erst dir, wenn du sicher wieder unten bist.









