Chris Korbulic
Informationen
| Name: | Chris Korbulic |
|---|---|
| Sport: | Kajak |
Krokodile können ihn nicht aufhalten. Ein Jahr nach dem tragischen Unfalls seines Freundes Hendri Coetzee ist Kajaker Chris Korbulic zusammen mit Ben Stookesbery und Pedro Oliva wieder zurück in Afrika.
9. Dez. 2011
Das Flugzeug gerät ins Schleudern und ich taumele nach vorn als das Fahrwerk auf dem Boden aufsetzt und der Bremsschub uns die Landebahn bis zu irgendeinem Gate hinuntertorkeln lässt. Die Hitze erschlägt mich, obwohl ich drei Plätze weit von der offenen Tür entfernt sitze. Die helle afrikanische Sonne bahnt sich ihren Weg durch den roten Staub und schon bald stehe auch ich mittendrin. Es fühlt sich richtig an. Dass eine meiner Taschen spurlos verschwunden ist, merke ich erst später. Nachdem ich den Rest der Crew getroffen habe, fahren wir in Pete’s Auto zu dieser Krokodil-Farm. Hier nennen sie es „Crocodile Reserve“. Es ist schon ein Jahr her, dass ich zum letzen Mal eines dieser hässlichen und urzeitlichen Biester aus nächster Nähe gesehen habe. Meine Handflächen schwitzen und die Haut im Nacken spannt sich. Schon jetzt werde ich mit einer von vielen Herausforderungen konfrontiert, die hier auf mich warten: es hätte nicht unbedingt gleich ein Krokodil aus Fleisch und Blut sein müssen. Aber es ist unumgänglich, sich dem Unbekannten zu stellen, dem Tod in die Augen zu sehen und weiterzumachen. Mir läuft ein Schauer über den Rücken, aber ich kann den Blick nicht abwenden.
Heute kümmert sich Ben Stookesberry um die Logistik und ich gehe mit Pedro Oliva auf dem Zambezi kajaken. Unterhalb der Viktoriafälle machen die meisten Stromschnellen einfach nur Spaß. Spritzige Wellen, auf denen man sich drehen und surfen kann, wo man zwischendurch auch mal seinen Kumpel abklatscht – und weiter geht’s. Doch es gibt immer Linien, die etwas anspruchsvoller sind. Ich schau stromaufwärts zu den Minus Rapids wo wir eingestiegen sind. Zu den Stromschnellen direkt unterhalb der Viktoriafälle - genau dort möchte ich hin. Früher habe ich mich immer gefragt, warum sich manche Leute freiwillig immer und immer wieder in höchst brenzlige Situationen begeben. Obwohl ich es inzwischen wenigstens ein bisschen verstehe, ist es ein Verstehen, dem das Verständnis fehlt. Genau so fühlt es sich auch heute an, als ich mich in Rapid # 9, auch bekannt als „Commercial Suicide“ wiederfinde. Pedro und ich paddeln zusammen durch die tosenden Wellen und wippen im Takt der Gegenströmung hoch und runter. Auch dieses Mal muss ich dem großen Fluss und seiner anmutigen Kraft meinen Respekt zollen. Jeder Versuch ihm zu entkommen ist sinnlos, wenn man sich in der Strömung befindet. So hat sich das letzte Jahr angefühlt, nachdem ich das letzte Krokodil gesehen hatte.
Morgen werden wir die letzen Vorbereitungen treffen und den Truck Richtung Angola packen. Aber vorher schauen wir noch im Konsulat in Zambia vorbei um unsere Visas bestätigen zu lassen. Die BBC Wettervorhersage ist vage, doch wir sind uns sicher, dass es heiß und nass werden wird – was auch die Regenfälle der letzten Nacht bestätigen.
So ist das. Mehr wissen wir nicht. Keine Ahnung, ob wir in Angola überhaupt einreisen dürfen. Über internationale Regeln scheint man sich hier hinwegzusetzen. Wir wissen nicht, ob der ganze Regen die Flüsse, auf denen wir fahren wollen, zu braunen Sturzbächen anschwellen lassen wird und ob die Straßen dann noch passierbar sind. Und ob es überhaupt eine so gute Idee war, ein Land zu betreten, wo gerade erst ein Bürgerkrieg tobte, der noch dazu die höchste Landminenkonzentration weltweit hinterlassen hat. Ein paar Dinge sind aber so gut wie sicher: wo wir auch landen werden, wir sind auf dem besten Wege mitten ins Abenteuer und wir werden danach nicht mehr die gleichen sein. Warum wir das machen und was wir damit erreichen wollen? Diese Frage verfolgt die meisten von uns und ist bereits auf die unterschiedlichste Art und Weise beantwortet worden. Wir hoffen, dass auch wir eine Antwort finden, und dass unserer Erfahrung und die ganzen Vorbereitungen uns dabei helfen. So schauen wir nach vorn – auf die hoffentlich besten Tage unseres Lebens.
Quelle: http://blog.firstascent.com








