Moro war auf elf Winterexpeditionen unterwegs. Seine letzte war die Winter-Erstbesteigung des Gasherbrum II (8034m), die in dem Film "Cold" gezeigt wird.
Bergleben.de hat den Bergsteiger portraitiert.
An den Klippen bei Bergamo
Schon als Kind lernte der heutige Alpinexperte auf Wanderungen mit seiner Familie viel über die Natur und die Berge. Mit dreizehn Jahren nahm ihn sein ebenfalls bergbegeisterter Vater erstmals mit zum Klettern an die Klippen nahe seiner Heimatstadt Bergamo. Von da an wurde seine Leidenschaft Stück für Stück gefördert. Von 1985 bis 1992 war der Vollblutalpinist Mitglied der italienischen Kletternationalmannschaft. Anschließend wurde er Trainer des italienischen Teams. Auch heute noch klettert Moro in hohen Schwierigkeitsbereichen (8a bis 8b+) als Vorbereitung für seine Expeditionen.
In eisigen Höhen
Bekannt wurde Simone Moro durch zahlreiche aufsehenerregende Höhenbesteigungen und Winterbegehungen. Bei seiner ersten Himalaya-Expedition bestieg er den Mount Everest (8848 Meter) bis zu einer Höhe von 7400 Metern. Schon im nächsten Jahr gelang ihm die erste Winterbesteigung des Aconcagua (6962 Meter) in nur 13 Stunden. Im gleichen Jahr stieg er im Alleingang auf den Makalu (8463 Meter) bis zu einer Höhe von 8300 Metern über die Kukuczka-Route. 1996 durchstieg Moro die „Super-Canaleta“ am Fitz Roy im Alpinstil in nur 25 Stunden. 1997 erreichte der mit Anatoli Boukreev den Gipfel des Lhotse (8516 Meter). Bei dem Versuch einer Winterbegehung an der Südwand der Annapurna im Dezember des gleichen Jahres wurde Moros Begleiter Boukreev und ein Kameramann von einer Lawine verschüttet und getötet. Moro überlebte den Unfall mit Glück.
Everest bezwungen
Im Jahr 2000 erreichte Simone Moro schließlich den Gipfel des Mount Everest, nachdem ein erneuter Versuch 1998 an schlechtem Wetter gescheitert war. 2010 stand der Italiener zum vierten Mal auf dem Gipfel. In nur 48 Stunden kletterte er im Mai vom Basislager zum Gipfel und zurück.
Winterbegehungen
Simone Moro ist für seine spektakulären Winterbegehungen und Wintererstbegehungen bekannt. Seiner Meisterleistung am Aconcagua (6962 Meter) 1993 folgten neun weitere. Auf einer Expedition in das Tian-Schan-Gebirge in Kasachstan bestieg Moro mit Denis Urubko im Alpin-Stil die Marble Wall (6400 Meter), er ist mit dieser Wintererstbegehung auch der erste „westliche“ Bergsteiger in dieser Region. Im Jahr 2004 folgte der Versuch der Wintererstbegehung des Shisha Pangma an der Südwand über die „Figueras-Route“, 300 Meter vom Gipfel entfernt musste das Unternehmen jedoch abgebrochen werden.
Erfolg am Shisha Pangma
Historisch ist Schließlich die erste Winterbegehung der Shisha Pangma (8027 Meter) im Jahr 2005 über die Südwand mit Piotr Morawski. 2006 gelang Moro die erste Süd-Nord-Traverse des Mount Everest im Alleingang und 2009 folgte sein bisher letzter großer Paukenschlag: die erste Winterbegehung des Makalu (8463 Meter) im Alpinstil gemeinsam mit Denis Urubko. Ein Ziel, das Alpinisten 30 Jahre lang vergeblich versucht hatten.
Das Leben abseits vom Berg
Bergsteigen ist nicht alles für den vielseitigen Kletterer. Leidenschaftlich gerne geht er seinem Hobby dem Fallschirmspringen nach. Im Jahr 2009 machte er außerdem einen Helikopterführerschein in Kalifornien. Er studierte Sportwissenschaft an der Universität Bergamo und schloss das Studium 2003 erfolgreich ab. Eine anschließende Promotion mit höchster Punktzahl folgte zum Thema "Alpinismus in extremen Höhen". Moro ist Autor von zwei Büchern und spricht fünf Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und etwas Russisch).
Ehrungen für faires Bergsteigen
Erfolge muss der sympathische Sportler nicht um jeden Preis erreichen. Für seine Solidarität am Berg wurde Moro mehrfach ausgezeichnet. Bei der Besteigung des Lhotse 2001 riskierte er sein eigenes Leben, um einem jungen britischen Bergsteiger zu Hilfe zu kommen. Moro verzichtete auf den Gipfel und kehrte mit dem verletzten Tom Moores zurück ins Tal. Dafür erhielt er von der UNESCO den »Fair Play Pierre de Cubertin«-Preis.