Stefan Glowacz

Informationen

Name: Stefan Glowacz
Geburtstag: 22.03.1965
Sport: Klettern

 

Im Grunde hatte Stefan Glowacz gar keine andere Wahl, als einer der erfolgreichsten professionellen Kletterer zu werden. Früh nahmen ihn seine Eltern mit in die Berge, jenes Terrain, das später seine Heimat werden sollte. Wenn er heute über seine frühkindliche Prägung redet, scheint der Weg geradezu vorbestimmt gewesen zu sein: "Ich bin ja schon als Kind jeden Felsblock hochgeklettert, wenn ich mit den Eltern beim Wandern war." Die Faszination Felsblock ließ ihn nicht mehr los, und auch wenn die Wände immer steiler wurden, und das Terrain um sie herum immer unwirklicher, blieb die Motivation letztlich die Gleiche: aufwärts in die Herausforderung. Es ist diese Mischung aus Demut, kindlicher Abenteuerlust und unbeschreiblichem Stolz, die Glowacz, Jahrgang 1965, noch heute immer wieder in die entlegenen Orte der Erde treibt.


Wenn ihm auch seine Eltern die ersten Schritte ins Abenteuer wiesen, so war es doch sein Ehrgeiz, der ihn später zum Allround-Kletterer, Vortragsredner und Self-Made-Unternehmer werden ließ. Natürlich hatte auch der junge Glowacz diese Phase, als er seine Lehre und beruflichen Verpflichtungen dem Klettern so gnaden- und gedankenlos unterordnete, wie das wohl nur Visionäre tun. Es war und ist seine Passion, die mit dem Sieg beim ersten offiziellen Sportkletterwettkampf 1985 in Bardonecchia (Italien) ihren ersten Höhepunkt fand. Aber während schon in den späten 80er-Jahren viele Leute lebten, um zu klettern, wollte Glowacz darüber hinaus irgendwann auch klettern, um zu leben. Früh entdeckte er, dass seine Leidenschaft nicht mit dem Abseilen enden darf, um sie zum Beruf zu machen und für Profis die Arbeit unterhalb der Vertikalen erst beginnt. Glowacz gewann drei Mal das prestigereiche Rock Masters in Arco, erhielt mit einer Einladung ins Aktuelle Sportstudio des ZDF den medialen Ritterschlag als Sportler und schauspielerte in Werner Herzogs "Schrei aus Stein". Als Ziehkind des Bergsportpaten Reinhold Messner avancierte er endgültig zum Vorreiter einer Bewegung.

Zudem bewegte sich Glowacz stets auch selbst. Er kämpfte sich aus einem verletzungsbedingten Tief zurück, beendete 1993 seine Wettkampfkarriere, widmete sich fortan stärker den unentdeckten, abgeschiedenen Wänden der Welt und bereicherte sein Leben um eine weitere Komponente: Das Hinkommen wurde ebenso wichtig wie das Hinaufkommen. Per Jeep durch die namibische Halbwüste, auf Skiern über die Eisfelder Patagoniens oder im Kanu durch den venezuelanischen Dschungel oder mit Snowkites durch das eisige Baffin Island – es geht nicht mehr allein darum, wie schwierig die Routen sind, sondern wo. Nämlich dort, wo Lebenserfahrung, Ausdauer und Übersicht mindestens ebenso wichtig sind wie Schnellkraft und jugendlicher Elan. Glowacz’ Nachfolger arbeiten wie einst er selbst an den Grenzen des klettertechnisch Möglichen, der gereifte Kletterer Glowacz arbeitet heute an den Grenzen der Zivilisation.

Quelle: bergleben.de

« Zurück zur Übersicht